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| Musik : Beethoven - The 9 Symphonies (Berliner Philharmoniker) |
Bewertung: -
Diese Aufnahme hat sich für mich gelohnt. Ich stimme mit meinem Freund Otis darin überein, dass Karajan und Beethoven eine gute Kombination ist. Mein Dank an ihn, dass er mich zum Kauf dieser Box unterstützt an.
Ich greife mal die 5.Symphonie heraus. An das doch zügige Tempo musste ich mich erst mal gewöhnen. Bisher habe ich immer die mit Bernstein und den Wienern gehört, welche ich auch sehr gut finde. Aber ich habe festgestellt, dass Karajan diese Symphonie doch spannend und überzeugend rüberbringt.
Ebenso die 9.Symphonie. Auch sie bringt Karajan spannend und überzeugend rüber. Über die Solisten kann man streiten.
Wegen dieser beiden Symphonien lohnt sich diese Box. Aber auch die anderen 7 Symphonien sind sehr gut gespielt.
Mein Freund Otis meint, dass die Grammophon die Ouvertüren von Beethoven auch noch mit in diese Box hätte nehmen können. Auf die 1 oder 2 CDs käme es auch nicht mehr an. Schließlich sind sie auch Werke für ein Orchester und passen gut zu den Symphonien. Ich stimme ihm da voll zu.
Bewertung: -
Herbert von Karajan polarisiert. Die einen empfinden ihn als einen wahren Segen, die anderen werfen ihm Effekthascherei, eindimensionales Spiel und eine flache Interpretation vor und vergleichen sein Spiel gar mit einer klingenden Badeanstalt. (siehe Vorredner)
Fest steht, dass Beethoven uns Noten hinterlassen hat und es einem jeden Dirigenten überlassen ist diese zu interpretieren. Sich innerhalb dieses Rahmens zu bewegen und ihn zu nutzen um die eigenen Vorstellung des Stücks zu realisieren ist die Quelle großer Vielfalt und Vielseitigkeit, von der man als Hörer nur profitieren kann. Diese Medaille hat aber auch eine Schattenseite und zwar die der übersteigerten Dramatik oder Selbstinszenierung.
Die Freiheit des Dirigenten hat sich für mich persönlich schon zu oft in übersentimentalen, überintellektuellen, überverkünstlichten Interpretationen niedergeschlagen, die ich persönlich nicht mehr mit der "mir vorschwebenden Idee der Komposition" an sich vereinbaren kann. An dieser Stelle empfinde ich Karajan persönlich als den "neutralsten" der modernen Dirigenten. Er zieht die Tempi an ohne zu hasten, baut Kontraste auf ohne zu überdramatisieren. Dabei klingen die Berliner Philharmoniker unter seiner Leitung einfach unglaublich harmonisch und messerscharf - als würde sie nicht spielen, sondern das Stück atmen. Es ist einfach wunderbar seinen Spannungsbögen zu zuhören. Nicht klingt gekünstelt oder gar "gewollt" sentimental.
Man kann dem nun die oft zitierte Nüchternheit und Kälte Karajans entgegen halten und ihm den Vorwurf der Gefühlskälte machen, dem muss ich jedoch in jeder Art und Weise widersprechen. Karajan und die Berliner Philharmoniker klingen hier wie sie nie wieder geklungen haben. Ihr Spiel ist bestimmt von Spannung, Klarheit, Präzision und natürlicher Dramatik. Beethoven klingt hier kraftvoll, eindringlich, romantisch und fantasievoll. Die Overtüren sind dynamisch, schnell und ungezügelt ohne je ins unkontrollierte abzudriften. Halbseidene Gefühlsausbrüche des Dirigenten sucht man vergebens - seine Leidenschaft liegt ganz klar in der Präzision und klanglichen Vollkommenheit des Spiels. Und in diesen Disziplinen brillierter er ohne Zweifel. Es ist einfach sensationell und verursacht bei mir jedes mal erneut einen kalten Schauer der Begeisterung.
Was die zuvor gerügte Klangqualität der Aufnahmen angeht, so muss ich auch hier meinem Vorredner widersprechen. Die Aufnahmen liegen, bedenkt man ihr Alter, in einer erstaunlichen Qualität vor. Das Orchester klingt satt, klar und erfreulich dynamisch und !analog!. Die behutsamen Eingriffe zur Rauschentfernung haben der Dynamik der Aufnahme nicht geschadet, ganz im Gegenteil, eine entsprechende Musikanlage vorausgesetzt, lässt sich das Orchester hervorragend im heimischen Wohnzimmer reproduzieren. Somit ist diese Aufnahme auch was die tonale Qualität angeht unerreicht. Allenfalls die Aufnahmen von 1976/1977 reichen hier heran jedoch ohne diese unglaubliche Vielfarbigkeit zu erreichen.
Alles in allem die wohl neutralste und von daher die gelungenste Interpretationen der neun Symphonien mit der sich Karajan selbst ein Denkmal gesetzt hat.
Bewertung: -
Auch wenn sämtliche der auch heute noch sehr zahlreichen "Karajan-Jünger" Gift und Galle spucken werden: Mich hat nicht eine einzige dieser Beethoven-Einspielungen überzeugt! Was von anderen Rezensenten daran schon vielfach bemängelt wurde - die eindimensionale, flache Interpretation, die klangschöne "Aufgemotztheit" und fehlende Tiefe - ist auch mir von der ersten CD an sauer aufgestoßen. Von der "Klingenden Badeanstalt" ist im Zusammenhang mit Karajan und seinen philharmonisch-edlen Klangideal immer wieder die Rede gewesen; diese Aufnahmen belegen das aufs Deutlichste. Beethovens Musik war als Mittel zur Preisung des "Wunders Karajan" wohl auch sehr gut geeignet. Als solche ist sie von diesem vermeintlichen "Wunder" auch genutzt worden - man merkt es an jedem Takt. Gardiner,Harnoncourt und Norrington haben mit ihren Einspielungen gezeigt, wieviel Leben in dieser Musik steckt und damit Karajans flaches Schönklangideal als solches entlarvt. Aber auch alle anderen Aufnahmen - von Furtwängler, Klemperer und Toscanini über Leibowitz, Scherchen und Reiner bis hin zu Abbado und den schon genannten Pionieren der historischen Aufführungspraxis - haben deutlich mehr zu bieten. Dass "Herbie" auch heute von vielen immer noch unkritisch in alle Himmel gelobt wird, kann man wohl nur mit rückwärtsgewandter Nostalgie erklären.
Ich für meinen Teil ärgere mich über den Kauf - die knapp 30 Euro für diese CD-Box kann man viel besser investieren, zumal die Klangqualität alles andere als optimal ist.
Bewertung: -
Es ist hier wie überall, wenn man es mit Karajan zu tun hat, und mit seinen Kritikern. Es fällt schwer Verständnis zu haben und sich zu orientieren. Ich als Laie, habe mich vielfach mit Beethoven und Gesamtaufnahmen seiner Sinfonien auseinandergesetzt (2 x Abbado, Kleiber, Furtwängler, Klemperer, Gardiner, Solti, Bernstein, 3x Karajan). Die Reihenfolge war dabei völlig unerheblich. Und ich muss sagen ich begreife nicht, wie man so voreingenommen gegenüber der Arbeit eines Musikers sein kann, dass man scheinbar die Klasse wirklich nicht erkennen kann. Meine Feststellung, die ich gemacht habe, jetzt ausschließlich auf Karajan bezogen, ist, dass er mit seinem ersten Zyklus mit dem Philharmonia Orchestra, einen ersten Weg zu Beethoven abgestochen hat, in einer Phase, in der er sich vielleicht selbst seiner Bedeutung noch gar nicht im Klaren war. Die zweite Beschäftigung mit dieser Reihe außergewöhnlicher Werke, brachte dann allerdings bereits die Vollendung, die man naturgemäß eigentlich im dritten Zyklus hätte erwarten müssen. Für mich ist der zweite, dieser Zyklus so revolutionär so zeitlos, dass ich den dritten für ziemlich überflüssig halte. Ich glaube Karajan hätte gut daran getan, es bei seiner Arbeit aus den Sechzigern zu belassen. Man spürt richtig, dass er bei der dritten Schallplatten-Aufnahme im Grunde nichts Neues mehr zu sagen hat. Um es mit aller Deutlichkeit auszudrücken: Diese Aufnahme ist aus meiner völlig subjektiven Betrachtung heraus, das Beste was Beethoven widerfahren konnte. Alles was man diesen Aufnahmen unterstellt an Schlechtigkeiten, Mittelmaß, Größenwahn und so weiter - nichts davon ist wahr. Natürlich kann man sich bei Beethoven niemals mit nur einer Wahrheit bescheiden, aber wenn es nur eine geben sollte, dann kommt diese hier ihr am nächsten. Die Schwierigkeit, mit Werken wie diesen zu arbeiten, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Nicht, weil Sie so unzählige Male bereits interpretiert worden sind, sondern weil sie den Wendepunkt eines Musikzeitalters markieren. Daher ist die Geschlossenheit dieser Einspielungen geradezu beruhigend. Immerfort hat man das Gefühl von Frische, von wahrer Größe, von Einmaligkeit. Wilhelm Furtwängler selbst vertrat bekanntlich die Meinung, es gäbe keine schlechten oder guten Interpretationen, sondern nur überzeugende und weniger überzeugende und ich kann sagen, dass ich mir Beethoven immer so erträumt habe - weder akademisch, noch übermütig. Ich möchte auch keine Vergleiche ziehen zu anderen Einspielungen, sondern nur sagen, dass es in der Sache falsch wäre auf jedes Werk im einzelnen einzugehen, den jeder Aufnahme liegt der gleiche Grundsatz zugrunde: Mit dem Komponisten und seiner Aussage mitempfinden, Vorfabriziertes im Augenblick neu entstehen lassen, den Noten Leben und Atem geben. Was müsste man sagen zu einem solchen Orchester, gewiss und ohne Übertreibung eines der fünf besten der Welt? Man muss nichts sagen! Aber warum muss man Karajan, und gerade seine bedeutendsten Leistungen unter beinahe endlos vielen maßstäblichen, stets verteidigen? Warum kann man diesem einzigartigen Künstler und nur dem Künstler, nicht den Verdienst einräumen, den er selbst sich erarbeitet hat. Allgemein finde ich es bedauerlich, dass viele der Meinung sind, die Arbeiten einiger Dirigenten seien alle gleich schlecht oder unbefriedigend, einfach aus einer ganz bestimmten vorgefassten Grundhaltung heraus. Ich möchte bezweifeln, dass Dirigenten wie Solti, Bernstein, Gardiner, Furtwängler, Karajan, Klemperer oder Abbado sich ihren Aufgaben näherten ohne sich mit ihnen im Vorfeld zu beschäftigen. Sie wären nicht die überragenden Künstler die sie waren, geworden, wenn sie so leichtfertig an ihre Arbeit herangegangen wären. Gewiss hat jede Aufnahme ihre Vorzüge oder Nachteile, doch liegt mir daran einmal auszusprechen, ohne dabei den Anspruch auf Allgemeingültigkeit zu erheben, dass diese Aufnahmen zu den überzeugendsten der gesamten Schallplattengeschichte zählen.
Bewertung: -
Von den insgesamt 4 (!) Gesamtzyklen der Beethoven-Sinfonien, die Karajan eingespielt hat, ist dies wohl zweifellos noch der beste, denn in den 70ern und 80ern gab es bekanntlich nur noch den berüchtigten süffig-fetten Karajan-Schönklang. Aber auch diese Einspielung ist im Vergleich zu anderen eine Enttäuschung: Karajan kehrt in vordergründiger Manier den Hans-Dampf-in-allen-Gassen heraus, durch sein oberflächliches, überhitztes Dirigat erscheint Beethoven dem Hörer als unfreiwillig komisch wirkender Popanz. Das zeigt sich besonders anhand des ersten Satzes der Neunten Sinfonie - hohles Pathos pur. Nichts von dem heiligen Ernst, der Wut und der Verzweiflung und erst recht gar nichts von dem grimmigen Humor und der Ruppigkeit Beethovens kommt durch - Karajan, das spürt man, ist nicht wirklich mit dem Herzen dabei. Vielmehr verfestigt sich der Eindruck, dass nicht der Komponist und seine Musik, sondern vielmehr der Interpret und die Befriedigung seiner Eitelkeit im Vordergrund stehen.
Handwerklich ist das Ganze auch nicht gelungen - Karajan gibt sich nicht sonderlich viel Mühe, die Musik in ihrer Vielstimmigkeit durchsichtig darzustellen; wichtige Nebenstimmen fallen unter den Tisch, wodurch die Musik flach und eintönig wirkt. Ein Beispiel: Die ungeheure Lebenslust (-wut!), die sich im Finalsatz der Siebten Bahn brechen möchte, verkommt bei Karajan in vordergründig-demonstrativen und dabei merkwürdig gehemmt wirkenden, abgehackten Phrasen. Wer das Feuer dieses Satzes spüren will, der höre zum Vergleich die Aufnahmen von Harnoncourt (Teldec) oder Reiner (RCA) - da ist Katharsis Programm, die mitreißende Energie wird fast körperlich erfahrbar!
Karajan verfolgt einen romantisierenden Interpretationsansatz - doch er verwirklicht ihn nicht in gekonnter Weise. Wer hören möchte, wie so etwas kompetent gemacht wird, der greife zu den Aufnahmen von Wilhelm Furtwängler (EMI) oder Bruno Walter (Sony). Bei beiden spürt man im Gegensatz zu Karajan auch die selbstvergessene, kompromisslose Hingabe, mit der sie dirigieren - vor allem Furtwängler gelingt es, aus jeder Sinfonie ein unvergleichlich berührendes Drama zu machen.
Fazit: Diese Sinfonien-Box kann im Vergleich mit der Konkurrenz höchstens einen der hinteren Mittelplätze belegen. Zwei Sterne gibt es, weil die Fünfte und die Achte noch ganz annehmbar sind.
Ich bin meinerzeit mit diesen Einspielungen in die Klassik eingestiegen und dachte auch lange Zeit, ich hielte das Non-Plus-Ultra in meinen Händen. Bis ich eines Tages aus Neugierde zu den Aufnahmen von John Eliot Gardiner (Archiv) kam - eine Offenbarung! Beethovens Sinfonien ganz schnörkellos und ohne romantischen Kitsch, aber mit einer grimmigen Entschlossenheit und Verve - Beethoven entschlackt und pur.
Für alle, die den Klang der Originalinstrumente nicht mögen, ist Harnoncourt (Teldec) dazu eine gute Alternative. Der "Rolls-Royce" unter den Beethoven-Zyklen ist aber zweifelsohne die Einspielung von René Leibowitz (Chesky Records). Obwohl zeitgleich zur vorliegenden Karajan-Aufnahme entstanden, zeigt sich Leibowitz in seiner Sichtweise auf Beethoven ungleich moderner und zukunftsweisender: Er dirigiert straff und ohne Weichspüler, offenbart aber bei aller Stringenz und Präzision ein unvergleichliches Einfühlungsvermögen, das einem die Musik Beethovens vor allem auf menschlicher Ebene näherbringt. Man spürt: Hier war ein reifer, ehrlicher Interpret am Werk, und nicht ein von Selbstsucht getriebener Endfünfziger mit Profilneurose, dessen übersteigertes Geltungsbedürfnis in nerviger Weise aufdringlich wirkt. Abgesehen davon ist bei Leibowitz trotz gleicher Entstehungszeit die Tonqualität deutlich besser als bei den Karajan-Aufnahmen, was sich insbesondere am Finalsatz der Neunten Sinfonie zeigt. Bei Karajan klingen Chor und Solisten wie in weite Ferne gerückt, bei Leibowitz hingegen wirken die Stimmen sehr präsent.
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